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Gemischter Eindruck
• • • • • (bewertet mit 3 von 5 Punkten)
Nach der Lektüre von Helene Hegemanns Buch stehe ich vor einem schwierigen Problem: Wie bewerte ich das Buch, das, wie zwischenzeitlich bekannt ist, so viele Anleihen im Buch Strobo von Airen nimmt. Ich habe versucht unvoreingenommen an die Geschichte heranzugehen und war dann auch durchaus positiv überrascht. Weniger von den Passagen, in denen die Autorin über Gott und die Welt, über Seelenzustände und über Themen reflektiert hat, die ihr offenbar beim Schreiben spontan in den Sinn gekommen sind. Passagen, bei denen man Lesen am liebsten laut rufen will: komm endlich auf den Punkt und lass das pseudointellektuelle Geschwafel und die leeren Worthülsen bei Seite.
Überrascht haben mich die Passagen, in denen Mifti von ihren Begegnungen mit Ophelia, Alice oder Pörksen erzählt, von ihren Zügen durch die Berliner Clubs und durchs Nachtleben. In diesen Passagen war exzessives Leben am Limit zu spüren, aber auch Verletzlichkeit, Ziellosigkeit aber keine Hoffnungslosigkeit und immer wieder eine Prise Humor. Passagen, die so gar nicht zu einer 17 Jährigen Autorin passen wollen und die, wie ich im Nachhinein der vierseitigen Danksagung entnehmen konnte, die der Verlag auf seiner Website online gestellt hat, auch gar nicht von der 17 Jährigen Autorin stammen. Es sind die Passagen, die Airen zuzuordnen sind, die von Hegemann teilweise übernommen und in seinem Stil weitergeführt wurden.
Das Werk lässt sich auch nicht als Ganzes beurteilen, weil man beim Lesen oft das Gefühl hat, in diesem Buch schlagen zwei Seelen, als hätten zwei unterschiedliche Autoren den Stift geführt (was im Nachhinein betrachtet ja auch ungefähr hinkommt). Dass die Erzählung an sich so ziellos dahingleitet wie Mifti selbst, keine Struktur hat sondern eine Aneinanderreihung von einzelnen Erlebnissen, Gedanken, Fragmenten ist, hat mich nicht gestört. Sie spiegelt Miftis Seelenleben in seiner Orientierungslosigkeit und Unordnung wider.
Sprachgewaltig fand ich die Passagen, die auf Airens Texte zurückgehen. Die Hegemannschen Ergüsse sind für mich nur ein fehlgeschlagener Versuch, es Airen im Ausdruck gleichzutun.
Eine Rezension von Bouquineur "AnkeH" > Köln
vom 10. März 2010 | | |
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